Absolut bahnfest: Die Baureihe V 60 der Bundesbahn

Rangieren einfacher gemacht Mit der dreiachsigen V 60 beschaffte die Deutsche Bundesbahn ab 1955 eine vorzügliche Lok für die vielfältigen Aufgaben im Verschubdienst.

Text: M. Dostal

Der Blick aus einem Stellwerk in Hannover Hauptgüterbahnhof offenbarte 1968 jede Menge Dampf­loks und allein vier V 60, doch das waren längst nicht alle …	Jürgen Krantz © Jürgen Krantz

Lieferungen an die Deutsche Bundesbahn
Zwischen 1956 und 1964 wurden insgesamt 942 Maschinen der Baureihe V 60 in zwei Ausführungen an die Deutsche Bundesbahn abgeliefert. Sie unterteilen sich in Loks mit einem Gesamtgewicht von 48 Tonnen und solche mit einem Gewicht von 54 Tonnen. Die schweren Loks unterscheiden sich durch einen stabileren Rahmen und ein zusätzliches Ballastgewicht von den leichteren. Ihre höhere Masse erlaubt eine höhere Anfahrzugkraft. Bis 1968 waren die schweren Loks nummernmäßig nicht von den leichten zu unterscheiden. Ab 1968 wurde den leichten Loks die Baureihennummer 260 zugewiesen, die schweren wurden als Baureihe 261 bezeichnet.

Die Beschaffung in mehreren Serien begann mit vier Vorauslokomotiven, die zwischen Juni 1955 und Januar 1956 geliefert wurden. Sie erhielten die Bezeichnungen V 60 001 bis V 60 004. Die vier Maschinen, die zur schweren Ausführung gehörten, stammten von Krupp (001), Krauss-Maffei (002), MaK (003) und Henschel (004). Sie dienten vor allem dazu, erste Betriebserfahrungen mit der neuen Konstruktion zu sammeln.

Nach diesen vier Prototypen war zunächst eine kleine Serie von zehn bis 20 Lokomotiven zur Erprobung unterschiedlicher Aggregate, Motoren und Getriebe vorgesehen. Die Bundesbahn hatte aber einen so dringenden Bedarf an diesen Loks, dass sie sofort eine erste Bauserie mit 275 Exemplaren in Auftrag gab. Um trotzdem Maschinen für die Erprobung zur Verfügung zu haben, hielt sie die V 60 011 bis V 60 024 für Sondereinsätze vor. Nach dem Ende der Versuche wurden diese Loks der Serienfertigung angepasst und in den Regeldienst übernommen.

Die Serienmaschinen der leichten Version wurden als V 60 101 bis V 60 400 (mit Lücken) und als V 60 1001 – 1019 zwischen Juni 1956 und Juni 1958 von der DB übernommen und in den Rangierdienst geschickt.

Zwischen September 1958 und April 1959 folgte die zweite Lieferserie (1. Nachbauserie). Außer Lokomotiven der leichten Ausführung, die fast ohne Bauartänderungen hergestellt wurden, kamen mit V 60 424 – 426 und V 60 434 – 446 die ersten Loks der schweren Ausführung zur DB. Aus dieser Serie wurden die V 60 025 und 026 für Versuche vorgehalten.

Die dritte Lieferserie (2. Nachbauserie) umfasste knapp 400 Lokomotiven beider Ausführungen. Sie wurden zwischen Mai 1959 und Februar 1961 abgeliefert. Zu den Erprobungslokomotiven gesellten sich nun V 60 027 – 029.

Während die dritte Serie noch geliefert wurde, lief schon die Fertigung der vierten Bauserie (3. Nachbauserie) an, die zwischen Januar 1961 und August 1962 von der DB übernommen wurde. Unter den Erprobungsloks dieser Serie (V 60 030 – 049) waren mit V 60 042 und V 60 043 die ersten Loks mit Funkfernsteuerung.
Die fünfte Bauserie (4. Nachbauserie) war mit 100 Lokomotiven recht klein. Zwischen Dezember 1962 und Dezember 1963 entstanden nur die schweren Maschinen V 60 1101 – 1200.

Die Lieferung der letzten Serie (5. Nachbauserie) begann im Juni 1963 und war noch kleiner. Mit den V 60 1201 – 1241 kamen noch einmal 41 schwere V 60 zur DB. Nachdem im April 1964 die letzte dieser Loks abgeliefert worden war, endete bei der DB die Beschaffung der Baureihe V 60.

Die V 60 im Ausland
Außer der Bundesbahn erhielten bzw. bauten auch ausländische Bahnverwaltungen Lokomotiven des Typs V 60. 13 Loks gingen 1960 an die Türkischen Staatsbahnen TCDD, die sie als DH 6.501 – 513 einreihten. 1987/88 kauften die TCDD gebrauchte V 60 von der DB und teilten ihnen die Nummern DH 6.514 – 540 zu.

Zwischen 1963 und 1967 wurden 30 werksneue V 60 an die Griechische Staatsbahn (CEH) geliefert. Sie reihte die Loks als A 101 bis A 130 in ihren Bestand ein.
Die Belgischen Staatsbahnen bestellten in zwei Lieferserien insgesamt 69 Maschinen, die in Lizenz bei bei La Burgeoise et Nivelles (BN) und Ateliers Belges Réunies (ABR) gefertigt wurden.

Als Reparation nach Israel
Zwischen 1955 und 1958 bekam die Israelische Eisenbahn (ISR) als Reparationsleistung Rangierlokomotiven, die der V 60 entsprachen. Die Maschinen wurden von der Maschinenfabrik Esslingen gebaut.

Die 1957 gebaute MaK-Lok Nr. 600 138, die von Anfang an als Werkslok eingesetzt wurde, gehört ebenfalls zur V-60-Familie. Sie wird heute von der  Nordbayerischen Eisenbahn GmbH (NBE RAIL) eingesetzt.   

Michael Dostal

Ein Artikel aus LOK MAGAZIN 01/10

Die Einsatzgeschichte der V 60 mit allen Umbauten, Umnummerungen und Verkäufen an Private haben wir im LOK MAGAZIN 2/2010 beleuchtet.

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