Lübkens großer Wurf

Baureihe 78: Gelungenste Gattungen Preußens

In beiden Richtungen gleich flott, gut im Anzug und leistungsfähig.

Text: S. Vockrodt
Die 78 289 (ex SAAR 8407) im Bw Neunkirchen (1936)Foto: Hermann Maey/Slg. Kademann-Brinker © Hermann Maey/Slg. Kademann-Brinker

Was zeichnet eine erfolgreiche Lokomotive aus? Dafür lassen sich verschiedene Kriterien anlegen, z. B. die Einsatzdauer, die gebaute Stückzahl oder die erbrachten Leistungen oder auch der Einsatz bei verschiedenen Bahnverwaltungen in unterschiedlichen Bereichen.

Ganz gleich, welche Messlatte wir anlegen, die preußische 2’C2’h2-Tenderlok der Gattung T 18, bei Reichs- und Bundesbahn Baureihe 78 (ab 1968 078 DB, bzw. 1970 78.10 DR), war eine der erfolgreichsten Lokbaureihen, die je über Deutschlands Schienen schnaufte. Warum? Eine Einsatzdauer von insgesamt 62 Jahren, über 25 Jahre nahezu unveränderter Nachbau mit insgesamt 544 Exemplaren, rund 40 Jahre die dominante Baureihe im Vorortverkehr der großen Ballungsräume Rhein/ Ruhr, Hamburg, Rhein/Main, München, beliebt für Schnell- und Personenzüge auf kürzeren Strecken, Haupt- wie später auch Nebenbahnen, eingesetzt in fünf europäischen Ländern über jeweils mehr als 30 Jahre und, und, und …

Und schließlich: Für eine Preußin aus der Ära um 1910 war sie sogar äußerlich recht ansehnlich, außergewöhnlich halt.

Noch Fragen? Aber ja, woher kam dieser Erfolg? Besonders da es sich bei der T 18 im Grunde um eine Notlösung handelte, die ursprünglich nur für ein, zwei spezielle Strecken beschafft werden sollte. Der Erfolg kam auch nicht über Nacht, die T 18 wuchs und reifte. Und erst moderne Diesellokomotiven (V 100) und Elloks (E 41) vermochten sie dann ab 1962 abzulösen. Zur Dampflokzeit gab es keinen adäquaten Ersatz für sie, die nur zwei Exemplare der Neubaulok der Baureihe 66, die es hätten werden können, kamen schlicht zu spät.

Stabwechsel im Bauartdezernat
Um 1910 war die Königlich Preußische Eisenbahnverwaltung das größte Eisenbahnunternehmen der Welt. Auf dem über 50.000 Kilometer langen Streckennetz gab es einige Besonderheiten, die spezielle Lösungen erforderten, die über das hinausgehen, was die preußischen „Normalien“ sonst erlaubten. Das galt vor allem für die nur 41 Kilometer lange Magistrale zwischen den Kopfbahnhöfen Frankfurt (Main) Hbf und Wiesbaden Hbf. Die 1907 von Bauartdezernent Robert Garbe (1847 – 1932) aus seinem „großen Wurf“, der P 8, abgeleitete 2’Ch2t-Lok der Reihe T 10 (Baureihe 76) hatte keinen großen Erfolg gehabt, es blieb bei nur zwölf Exemplaren dieser „tenderlosen“ P 8. Nichtsdestotrotz liefen die letzten dieser Loks noch um 1960 bei der Osthannoverschen Eisenbahn in der Lüneburger Heide.
 

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