Bebra Dampfloks 1962: Durchlauf über 684 Kilometer!

Weit über 100 Jahre lang waren in Bebra Dampfloks stationiert. Kurz vor ihrer Ablösung, am Beginn der 1960er-Jahre, zeigten sie ein letztes Mal, zu welch enormen Leistungen sie fähig sind.
24. Juli 1962: Die 10 001 wird in ihrem Heimat-Bw mit Öl versorgt © Albert Schöppner

Bebra liegt am Nordrand des Hersfeld-Bebraer Beckens. Schon eine Netzkonzeption Friedrich Lists von 1833 enthielt hier einen Bahnknoten, anzulegen in der 14 Kilometer entfernten Stadt Hersfeld. Bebra war damals nicht mehr als ein großes Dorf.Eine der ersten Eisenbahnen im Kurfürstentum Hessen-Kassel, konzipiert als Teil einer Schienenverbindung zwischen Halle und dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet, berührte Bebra. 1848 erreichte der Bahnbau von Kassel her Bebra, am 25. September 1849 wurde Richtung Osten der nächste Abschnitt bis Gerstungen in Betrieb genommen. 1853 war die durchgehende Eisenbahnlinie von Halle an der Saale bis Hamm in Westfalen vollendet.

Es begann mit Schiebelokomotiven
Die Strecke verlässt unmittelbar östlich von Bebra das Fuldatal und quert nach einer langen 1:100-Rampe die Wasserscheide zwischen Fulda und Werra. Das erforderte in Bebra eine Lokomotivstation für Vorspann- und/oder Schiebelokomotiven.

Die Namen der ersten beiden in Bebra beheimateten Lokomotiven lauteten angeblich „Antilope“ und „Elefant“, erstere eine von Henschel 1852 gelieferte 1B-Lokomotive mit einem Treibraddurchmesser von 1.422 mm, die andere, 1848 von der Maschinenfabrik Esslingen hergestellt, mit der Achsfolge 2B.
Vermutlich gab es gegenüber dem Empfangsgebäude einen zweiständigen Rechteckschuppen, zu dem sicher auch eine Drehscheibe gehörte.

Bebra wird Bahnknoten
1866 bis 1868 wurde abschnittweise die als Teil einer zukünftigen Direktverbindung Frankfurt am Main – Berlin projektierte Strecke Bebra – Hanau in Betrieb genommen. In Hanau bestand Anschluss an eine schon bestehende Strecke. Ein Jahr später verkehrten Schnellzüge in der Relation Berlin – Frankfurt, die in Bebra die Fahrtrichtung wechseln mussten. Von der Bebra-Hanauer Eisenbahn zweigte seit 1872 im Bahnhof Elm südlich von Fulda eine Verbindungsbahn nach Gemünden am Main im Königreich Bayern ab.

Bebra erhielt im Winkel zwischen den Linien nach Halle und nach Hanau u. a. einen Rechtecklokschuppen, in den drei Gleise führten, eine Werkstatt und eine Drehscheibe.

In Abwandlung eines älteren Bahnbauprojektes, dessen Planungen noch Kurhessen, (1866 von Preußen annektiert) begonnen hatte, erfolgte auf der Grundlage eines Gesetzes von 1871 der Bau der Bebra-Friedländer Eisenbahn. Sie wurde 1876 vollendet und erhielt bald, wie die anderen von Bebra ausstrahlenden Strecken auch, das zweite Gleis. Die neue Strecke war als letztes Stück einer durchgehenden Verbindung von Bayern zu den deutschen Häfen an der Nordsee konzipiert und mündete in Friedland in die Linie Arenshausen – Göttingen.

Im Zusammenhang mit dem Bau der Bebra-Friedländer Bahn kam es zu Änderungen der Gleisführung in der Betriebswerkstätte der Bebra-Hanauer Bahn. Östlich vom gleichzeitig vergrößerten Empfangsgebäude wurde eine weitere Betriebswerkstätte errichtet. Die erste Schuppenanlage von 1848 wurde in diesem Zusammenhang abgebrochen. Neu entstand ein Teilringschuppen mit nordwärts angefügter Werkstatt, an die wieder ein Wohnhaus anschloss. Auch wurde ein Wasserturm gebaut. 1876 ist der Ringlokschuppen vollendet worden.

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