Chronik 1960: Neuer Hauptbahnhof für Braunschweig

Im Südwesten des alten Stadtkerns wurde „auf der grünen Wiese“ bis 1960 der neue Hauptbahnhof von Braunschweig fertiggestellt. ​

Text: E. Preuß
Im alten Kopfbahnhof im Mai 1962 © Dieter Höltge

Der am 1./2. Oktober 1960 in Betrieb gegangene neue Hauptbahnhof von Braunschweig gehörte zu den großen Bauvorhaben der Deutschen Bundesbahn in dieser Zeit, die auch in Kempten (Allgäu), Heidelberg und Ludwigshafen (Rhein) aus Kopf- Durchgangsbahnhöfe machten. Die Gleisanschwenkungen der Zulaufstrecken dauerten bis zum 6. Oktober 1960. Die letzte Streckeneröffnung war am 10. Oktober 1960 der Abschnitt Braunschweig West – Braunschweig Rbf Einfahrgruppe.

In Braunschweig war bereits 1868 der Umbau der Bahnhofsanlagen geplant worden, denn das Wenden der Züge auf dem Kopfbahnhof in der Residenz des Herzogtums war unter den Bedingungen des Fernverkehrs nicht mehr zeitgemäß und umständlich. Der Erste Weltkrieg verhinderte den Neubau, der an der Ausfallstraße nach Wolfenbüttel entstehen sollte. Dann kam ein neuer Plan des bekannten Professors Blum von der Technischen Hochschule Hannover, der den neuen Bahnhof auf die Nordseite der Stadt haben wollte und statt des 1914 als Flachbahnhof vorgesehenen Verschiebebahnhof einen Gefällebahnhof vorsah. Die Arbeiten für den neuen Verschiebebahnhof begannen 1938, im Hauptbahnhof wurde bereits abgebaut, bis der Zweite Weltkrieg das Vorhaben unterbrach und schließlich 1944 ein Luftangriff das Bahnhofsgebäude erheblich beschädigte.

Nach 1945 war erst recht ein Neubau der Bahnanlagen geboten. Der Bau begann 1953 mit dem Verlegen und dem Hochlegen der Betriebsgleise des bisherigen Ostbahnhofs. Für die vorübergehende Aufnahme der Stellwerksanlagen des neuen Bahnhofs wurde das Stellwerksgebäude „Bhf“ errichtet, in dem 1954 das Drucktastenstellwerk „Bof“ in der vereinfachten Bauform DrS 3 in Betrieb ging und als „Umbaustellwerk“ bis zur Fertigstellung des Zentralstellwerks „Bhf“ während der elf Bauzustände diente. Allmählich entstanden die Gleise des neuen Personenbahnhofs in ihrer endgültigen Lage.

Seit 27. September 1956 wurde die Strecke nach Salzgitter Bad genutzt, 1957 und 1958 folgte der Bau der Güterzugstrecken von Wolfenbüttel und Salzgitter-Drütte nach Beddingen mit Weiterführung über das neue Güterzuggleis in Richtung des neuen Personenbahnhofs sowie der Anschluss an den Verschiebebahnhof.

Hierfür wurde die Abzweigstelle Teufelsspring gebaut und am 4. August 1958 in Betrieb genommen. Zwischen dem Haltepunkt Broitzem und der Abzweigstelle Gabelung entstand die Hilfsabzweigstelle Fuhse, die bis zur Eröffnung des Personenbahnhofs in Betrieb blieb. Bei ihr zweigten die Gleise zum alten Personenbahnhof von den nach Okerbrücke – Schmiedekamp führenden Streckengleisen ab.

Der Bau der Gleis- und Weichenanlagen sowie des Stellwerks der neuen Abzweigstelle Gabelung folgte 1959; es ging ortsbedient am 19. September 1960 in Betrieb, die Abzweigstelle Buchhorst am 30. Januar 1961.

Der Bau der neuen Stellwerksanlagen „Bhf“ begann 1958. Die Einrichtung des Stellwerks „Bof“ kam in ein Provisorium auf dem Dach des Langgebäudes von „Bhf“. Dieses Stellwerk wurde am 5. September 1960 in Betrieb genommen, „Bof“ stillgesetzt und abgebaut. Zeitlich gleichlaufend entstand im Abstellbahnhof das am 1. August 1960 in Betrieb genommene Stellwerk „Ba“ der Bauform SpDr S 59. Im September 1960 wurden die Stilllegung des alten und der Anschluss des neuen Personenbahnhofs an die Streckengleise nach Westen und Süden vorbereitet.In Richtung Hannover wurden vier Gleise verlegt, die sich erst in Groß Gleidingen trennen, das ehemalige Bahnbetriebswerk Braunschweig Vbf für den Einsatz von Triebwagen und Diesellokomotiven vorbereitet und in Richtung Osten ein Abstellbahnhof für die Personenwagen gebaut. Die absehbare Diesel- und auch elektrische Traktion ermöglichte den Durchlauf der Lokomotiven, so dass der Wiederaufbau des Kopfbahnhofs eine Fehlinvestition gewesen wäre.

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Dieter Höltge
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