Die „Tausender“

„1.000er“ nannten die damals jungen und heute der Generation „50 plus“ angehörenden Eisenbahnfreunde Anfang der 1970er-Jahre die Dampfloks der Baureihen 011 und 012. Warum? Von Martin Weltner
Eine magisch schöne Stimmung geht von der 012 060 aus, die mit dem E 1633 nach Emden am 5. Februar 1970 in Münster zur Abfahrt bereit steht © Selbermachen Media
Auch heute noch, rund 35 Jahre nach dem Ausscheiden der letzten 012 aus dem Plandienst im Juni 1975, erfreut sich die Baureihe 01.10 bei Eisenbahnfreunden außerordentlich großer Beliebtheit. Von den 55 gebauten Exemplaren blieben nicht weniger als zehn erhalten. Zwei davon sind sogar betriebsfähig: Die Ulmer 01 1066 mit Ölfeuerung kommt bundesweit vor Sonderzügen zum Einsatz, und die in Holland erhalten gebliebene, wieder auf Kohlefeuerung zurückgebaute 01 1075 darf mittlerweile auch auf deutschen Gleisen dampfen.

Zwei weitere 01.10 könnten mit eigener Kraft fahren, wenn es die Eigentümer nur ernsthaft wollten: Der Mitte der 1990er-Jahre wieder mit einer Stromlinienverkleidung versehene „Stahlhelm“
01 1102 wartet noch immer in Heilbronn auf bessere Zeiten. Besser sieht die Zukunft der DB-Museumslok 01 1100 aus, die im Ruhrgebiet wieder in Betrieb genommen werden soll. Weitere „Gerettete“ sind: Die kohlegefeuerte 01 1056 wird in Darmstadt-Kranichstein gepflegt, nachdem sie jahrelang als Denkmal in Rheine stand. 01 1061, einst letzte DB-012 unter Dampf, ist als restauriertes Anschauungsobjekt in Neuenmarkt-Wirsberg zu bewundern.

01 1063 steht seit 1977 als Denkmal vor dem Braunschweiger Hauptbahnhof und wird zunehmend Opfer von Vandalismus- und Graffiti-Attacken. 01 1081 stand einst als Denkmal in Bad Münster am Stein und ist heute im Bahnpark Augsburg zu bewundern. Die ebenfalls ölgefeuerte 01 1082, auf der der Schreiber dieser Zeilen einst im Bw Rheine übernachtete, um sich den Weg zur Jugendherberge zu sparen, ist Exponat im Deutschen Technik-Museum in Berlin.

Bleibt noch 01 1104, die nach ihrer Ausmusterung bei der DB den Weg in ein englisches Eisenbahnmuseum in Carnforth fand, mittlerweile aber nach Deutschland zurückgekehrt ist und in Süddeutschen Eisenbahnmuseum in Heilbronn besichtigt werden kann.

Siegeszug des Drillings
Vor rund 35 Jahren schieden die letzten 01.10 aus dem Betriebsdienst aus, und weitere rund 35 Jahre zuvor erschien die erste 01.10 auf deutschen Gleisen. Ende der 1930er-Jahre war die DRG im Geschwindigkeitsrausch, „Fliegende Züge“ sausten durchs Land, boten aber nur beschränkte Platzkapazitäten. Also musste eine neue Dampflok her, die schneller fahren konnte als die wegen ihres Zweizylinder-Triebwerks auf 130 km/h beschränkte 01. Folglich wurde aus der 01 eine Dreizylinderlok, und zur Minderung des Luftwiderstandes erhielt die Maschine eine damals gerade im In- und Ausland in Mode befindliche Stromlinienverkleidung. Neu war auch ein Tender mit größerem Fassungsvermögen, der fünfachsig (Bauart 2’3 T 38) mit einem Drehgestell und drei starr gelagerten Achsen ausgeführt wurde.

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