Die Eisenbahn in und um Karlsruhe

Es war mehr los früher, und die Eisenbahnwelt war bunter als heute. Axel Priebs hat seine Diakästen mit der Aufschrift „Großraum Karlsruhe“ geöffnet und tritt hier den Beweis an.

© Lok-Magazin
Karlsruhe und seine Region hatten in den 1970er-Jahren dem Eisenbahnfreund viel Interessantes zu bieten. Da ich einen Teil dieses Jahrzehnts als Jugendlicher in der ehemaligen badischen Landeshauptstadt verbrachte, gehören Bilder von den Strecken und Bahnhöfen dieser Region zu den ältesten und für mich wertvollsten Beständen meines Archivs.

Ein interessantes Jagdgebiet für Fotografen war natürlich immer der imposante Karlsruher Hauptbahnhof, der 1913 in einer großzügigen Anlage an einen damals weit außerhalb der Stadt gelegenen Standort verlegt worden war. Damals wie heute ein wichtiger Bahnhof am Schnittpunkt bedeutender Nord-Süd- und Ost-West-Strecken, waren dort stets interessante Fernzüge, u. a. mit der blauen 110 oder der eleganten 103 in Intercity-Lackierung, anzutreffen.

Daneben war Karlsruhe Hbf aber auch Ausgangs- und Endpunkt der dieselbetriebenen DB-Nahverkehrszüge ins Murgtal und in den Kraichgau. Wo heute die elektrischen Triebwagen der AVG fahren, verkehrten damals noch DB-Züge mit Loks der Baureihe 212 und „Silberlingen“ bzw. zweimotorige Schienenbusse.

Interessant und vielfältig waren die Vorortbahnhöfe der Stadt – etwa der Bahnhof Karlsruhe-Hagsfeld, wo die Güterzüge zum Rangierbahnhof und zur Güterumgehungsstrecke aus der Hauptstrecke ausgefädelt wurden. Auch der Karlsruher Rheinhafen wies einen regen Verkehr auf, da dort Güterzüge zusammengestellt und auf die Reise geschickt wurden.

Mit dem 456 nach Baden-Baden
Karlsruhe Hauptbahnhof war auch regelmäßig Einsatzgebiet der markanten elektrischen Triebwagenzüge der Baureihe 456, die mich immer sehr beeindruckten. Mit ihnen war von Gleis 18 aus, das in Karlsruhe Hbf als Stumpfgleis endete, eine umsteigefreie Fahrt in die Kurstadt Baden-Baden möglich, deren Stadtkern damals noch über die etwa vier Kilometer lange zweigleisige, elektrifizierte Stichstrecke an die Rheintalstrecke angebunden war, von der sie in Baden-Oos abzweigte.

Merkwürdigerweise war diese Strecke der Stadt Baden-Baden ein Dorn im Auge, die lieber dem Straßenverkehr mehr Raum geben wollte, weswegen die Stichbahn im September 1977 stillgelegt wurde. Am letzten Tag fuhr dort ein geschmückter lokbespannter Zug. Sofort nach der Stilllegung wurde dann der Bahnhof Baden-Oos in „Baden-Baden“ umbenannt.

Meine persönliche Neugier erweckte die damals fast vergessene, zum Teil schon stillgelegte Strecke von Graben-Neudorf über Eggenstein nach Karlsruhe-Mühlburg. Das große Bahnhofsgebäude in Eggenstein, vor dem ich 1973 einen der seltenen Nahgüterzüge mit einer Lok der Baureihe 260 ablichten konnte, zeugte davon, dass dort die ursprüngliche Hauptstrecke von Mannheim zum alten Karlsruher Hauptbahnhof verlaufen war.

Heute hat sich dieser Bereich stark verändert und auch hier verkehren inzwischen AVG-Stadtbahntriebwagen.

Eine 218 mit einem „Silberling“
Über die eingleisige Rheinbrücke bei Karlsruhe-Maxau gelangte man von Karlsruhe in die Pfalz, die einige beschauliche DB-Nebenstrecken aufzuweisen hatte. Hierzu zählte die 1981 vorübergehend eingestellte, seit 1995 aber wieder aktivierte Stichstrecke von Winden nach Bad Bergzabern.

Überwiegend verkehrten dort einmotorige Schienenbusse, doch wies der Fahrplan auch ein recht ungewöhnliches Eilzugpaar Karlsruhe – Bad Bergzabern auf, das lediglich aus einer Lok der Baureihe 218 und einem einzigen „Silberling“ bestand.

Eine weitere Rheinbrücke führte etwas südlich von Karlsruhe nach Frankreich. Sie wurde zwar nur vom Autoverkehr genutzt, doch war in die Fahrbahn auch ein Bahngleis eingelassen. Hierbei handelte es sich um einen Abschnitt der strategischen Bahnlinie von Rastatt über Wintersdorf nach Roeschwoog in Frankreich.

Bis 1951 betrieb die Bundesbahn einen bescheidenen Reisezugverkehr zwischen Rastatt und dem großzügig angelegten Bahnhof Wintersdorf, wo in den 1970er-Jahren in großer Zahl Güterwagen abgestellt wurden. Die Gleisverbindung nach Frankreich wurde aus strategischen Gründen aufrecht erhalten.

Ein interessantes Fotomotiv ergab sich am 1. Juni 1976, nachdem die Rheinbrücke eine neue Vorlandbrücke erhalten hatte und die Brückenabnahme mit Hilfe eines Brückenbelastungszugs befahren wurde, der von einer Lok der Baureihe 218 gezogen wurde.

Auch einige nichtbundeseigene Eisenbahnen im Karlsruher Umland waren für den Bahnfreund interessant. Neben den von Bruchsal ausgehenden, heute ebenfalls von der AVG bedienten Nebenbahnen betrieb die SWEG südlich von Karlsruhe Reste des ehemals sehr ausgedehnten Schmalspurnetzes der Mittelbadischen Eisenbahnen (MEG).

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