Die T 18 bei der Bundesbahn: Fünf blieben erhalten

Die T 18 bei der Bundesbahn - Letztes Einsatz-Bw im Westen wurde Rottweil. Scharen von Fans aus halb Europa pilgerten nach Schwaben, um die alten Preußen – es liefen ja dort auch die letzten 38.10 – im Einsatz zu erleben

Autor: Stefan Vockrodt

Von Goslar im Harz über Dillingen an der Saar war die 78 482 schließlich 1966 nach Aalen gekommen. Die Aufnahme zeigt sie mit Zug 2403 Stuttgart – Crailsheim 	Foto: Jürgen Krantz © Jürgen Krantz

Nur in der BD Essen (mit Abstrichen auch im Raum Frankfurt) hatte die Baureihe 78 zu DB-Zeiten eine ähnliche Bedeutung wie in Hamburg. Doch im Ruhrgebiet übernahm ab 1957 die elektrische Traktion Strecke um Strecke, gleiches galt im Frankfurter Raum, wo der Bestand zwischen 1959 und 1962 von 62 auf 25 Maschinen abnahm. 1967 verloren beide Direktionen ihre letzten T 18. Wie in Hamburg war die Baureihe 78 auch im Ruhr- und im Rhein/Main-Gebiet mit Wendezügen eingesetzt. Beim Bw Essen geschah das zusammen mit Neubaulokomotiven der Baureihe 65, in Frankfurt ab 1955 mit der designierten, aber nicht ausgeführten Nachfolgerin, der kleinen 66er. Mitte der 1960er-Jahre versahen Düsseldorfer 78 aber auch Rangierdienst, einige Lok erhielten dafür sogar Rangierfunk.

In Frankfurt fuhren ab 1951 die ersten drei auf direkte Wendezugsteuerung umgebauten 78 025, 038 und 047. Die 1956 im Wendezugbetrieb eingesetzten beiden 78er erreichten eine Tagesleistung von 437 Kilometern, was eindrucksvoll belegt, welch Rationalisierungsgewinn dieser Umbau darstellte. Neben dem Bw Frankfurt (Main) 3 beheimateten die Bw’e Darmstadt, Friedberg, Hanau und Wiesbaden die T 18. Ab 1959 verdrängte auch im Frankfurter Raum der Fahrdraht zunehmend die alte preußische Tenderlok.

Das große Sterben
Bis 1961 zählten alle 409 Loks der Baureihe 78 zum Unterhaltungsbestand der DB, sie wurden damit länger voll unterhalten als z. B. die P 8 oder auch die 03. Ab 1. Oktober 1962 durften 78er nur noch Auslauf-L3 (mit Zustimmung der Oberbetriebsleitung) erhalten, danach nur noch L2. Vom 1. Oktober 1965 an durften 78er nur noch Auslauf-L2-Untersuchungen (L2.8) erhalten. Das bedeutete für die Lok spätestens bei Erreichen der Kesselfrist das Ende.

Dennoch schieden bis Ende 1963 erst 20 Stück aus, die Maschinen waren beliebt und man verlängerte die Untersuchungsfristen bis zum „geht nicht mehr“. Die erste bei der Bundesbahn ausgemusterte T 18 war 78 012 vom Bw Essen Hbf. Nach rund 47 Betriebsjahren wurde die Lok am 20. Juni 1961 Opfer einer Flankenfahrt, bei der ein Zylinder abgerissen wurde, und am 4. Dezember des selben Jahres ausgemustert.

Bis dahin hatte man durch Elektrifizierung frei werdende T 18 umgesetzt. So kamen 1959 wieder Lokomotiven der Baureihe 78 nach Baden (BD Karlsruhe) und ab Oktober 1961 erhielt auch die BD Stuttgart nach 36 Jahren wieder T 18. Ob damals jemand ahnte, dass die Loks im Schwabenland ihren Einsatz beenden sollten?

Im Jahr 1964 begann auch für die 78 „das große Sterben“. Die oft verlängerten Kesselfristen, aber auch der vordringende Fahrdraht und die in Großserie in Betrieb gehenden V 10020 (212) nahmen den 78 Strecke um Strecke den Einsatzraum. In den Jahren 1965 und 1966 wurde über die Hälfte des Bestandes der Baureihe 78 ausgemustert! Am 1. Januar 1967 zählten noch 110 Exemplare zum Einsatzbestand, und das Ende der Loks in Hamburg und im Saarland ließ nur noch kleine Refugien in Franken und am Ostrand des Schwarzwaldes übrig.

Letzte Lebenszeichen im Schwabenland
Im Jahr 1970 setzten nur noch die BD Nürnberg (Bw Schweinfurt) und Stuttgart (Bw Aalen und Rottweil) 78er ein. Anfang 1970 verfügte das Bw Schweinfurt noch über die 078 185 und 410. Letztere wurde am 22. Juli 1970 an das Bw Rottweil abgegeben, womit der 78er-Einsatz bei der BD Nürnberg nach genau 45 Jahren endete.

Von nun an liefen T 18 nur noch in Württemberg. Anfang 1970 verfügte das Bw Aalen, das die Lok seit 1961 beheimatete, noch über einen beachtlichen Bestand: 078 062, 192, 235, 246, 256, 293, 297, 323 und 482. Doch wurden sie rasch durch neue Dieselloks des Bw Ulm (215, 216) ersetzt. Im Januar/Februar 1970 gingen 078 192, 235, 246, 293 und 482 nach Rottweil. Im Sommer waren nur noch 078 062 und 297 in Aalen. Der Rest des Bestandes war schon in Rottweil beheimatet, das nun zum Auslauf-Bw der Baureihe 78 wurde. Die 078 062 (+ 2. Juni 1971) und 297 (+ 18. April 1972) wurden als letzte Aalener T 18 ausgemustert. 078 062 hatte rund 56 Betriebsjahre erreicht.

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