Die Wende-Lok 132 478-9: Schluss im November?

Sie fuhr 1989 den ersten Zug mit Botschaftsflüchtlingen nach Hof. Wenn über ein Denkmal für die Wende diskutiert wird: Diese Lok ist es. Sie sollte erhalten werden.
Im Jahr 1990 entstand im Bahnhof von Hof diese Aufnahme der 132 478-9	Foto: Markus Lohneisen © Markus Lohneisen

Das Jahr 1989 liegt nun 21 Jahre zurück. 21 Jahre ist es her, dass die Züge mit den Botschaftsflüchtlingen aus Prag auf Reichsbahngleisen über Reichenbach und Plauen nach Hof fuhren. Das Bw Reichenbach erbrachte in den zwei Ausreisewellen Anfang Oktober 1989 alle Bespannungsleistungen jener 14 Züge mit Lokomotiven der Baureihe 132.

Noch im Einsatz
Bisher noch nie gewürdigt wurde die 132 478, welche den ersten Sonderzug mit Botschaftsflüchtlingen von Reichenbach nach Hof bespannte und damit Geschichte machte. Während sich heute Politiker darüber streiten, ob ein Wendedenkmal in Berlin, Leipzig oder Plauen aufgestellt werden soll, wird das Thema Eisenbahn unverständlicherweise ganz ausgegliedert. Leider hat bisher noch keiner den Gedanken in die Öffentlichkeit getragen, diese geschichtsträchtige Lok in einem Museum als Denkmal für die Wiedervereinigung der Nachwelt zu erhalten. Dem Verkehrsmuseum Nürnberg und privaten Eisenbahnvereinen sollte dieser Hinweis als Anstoß dienen.

Die ehemalige 132 478 ist noch heute auf dem Streckennetz der Deutschen Bahn im Einsatz und gehört in modifizierter Bauform mit der Betriebsnummer 233 478 zur DB Schenker Transport-Management Nord (Hamburg). 

Die Lok 132 478 weist einen für ihre Baureihe typischen Lebenslauf bei der Deutschen Reichsbahn mit Nord-Süd-Stationierungen auf. Im März 1977 beim Bw Neustrelitz in Dienst gestellt, kam die Lok bis Anfang 1984 auf der Magistrale Berlin – Rostock zum Einsatz und erbrachte dabei hohe Laufleistungen. Auch das Werkstattumfeld stimmte. Zweimal, 1980 und 1983, weilte 132 478 zur I6 im Raw Cottbus. Das in Neustrelitz ansässige V5-Erhaltungswerk wechselte im Oktober 1978, August 1979 und September 1981 die wichtigsten Hauptagregate.

1984 nach Halberstadt
Während des gesamten Sommerfahrplans 1984 gab 132 478 ein kurzes Gastspiel beim Bw Stralsund, was die Lok auch auf die Insel Rügen führte. Mit Fahrplanwechsel im Herbst 1984 verließ die 132 478 die Ostseeküste und fand beim Bw Halberstadt ab dem 1. Oktober eine neue Heimat. Das Bw im Harzvorland setzte die Lok vorrangig nach Sangerhausen, Magdeburg, Halle und Seddin ein. In der Halberstädter Zeit weilte 132 478 im November 1985 zur V5 im Bw Neustrelitz und zur I6 im August 1987 im Raw Cottbus. Im Anschluss an die I6 erhielt die Lok vom 1. September bis zum 8. September 1987 im Raw Cottbus den Mesa-Zugfunk eingebaut.

Wieder wurde ein Fahrplanwechsel zum Anlass genommen für eine überregionale Umbeheimatung der 132 478. Nach vier Jahren Halberstadt traf die Lok am 28. Mai 1988 im vogtländischen Bw Reichenbach ein.

Unmittelbar vor ihrer Umbeheimatung erhielt sie auf der Unterflur-Radsatzdrehbank des Bw Engelsdorf neue Radsatzprofile. Das Groß-Bw Reichenbach disponierte die 132 478 wegen ihrer Ausrüstung mit Zugfunk Mesa 2000 und der Indusi PZ 80 vorrangig im Umlaufplan 025, welcher die Bespannung des Transitverkehrs (D-Züge und Güterzüge) zwischen Westberlin und Hof zum Inhalt hatte. Auch in dem ab 24. September 1989 gültigen Fahrplan lief 132 478 zusammen mit 132 596 und der 132 655 planmäßig im Plan 025.

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