General-Motors-Sound

Es gibt wohl kaum eine Lokomotivbauart, die so oft schon kurz vor dem Aus stand und trotzdem immer wieder weiterfuhr. Ihr Klang ist ein Genuss, ihr Aussehen zeitlos schön.

Die Obstblüte im Altenburger Land bei Saara bildete am 19. April 2011 einen schönen Rahmen für die My 1149 mit ihrem kurzen DBV 94278 von Glauchau nach Celle. Foto: Ralph Lohse © Ralph Lohse
In den 1970er-Jahren gewöhnten sich die Loks das Rauchen ab. Zumindest im Westen war das so, im Osten dauerte alles viel länger. Heute im 21. Jahrhundert müssen ihre Dieselnachfolger immer mehr flüstern, die Umwelt mit weniger Abgasen belasten. Aber es gibt auch noch den unverkennbaren Sound der amerikanischen GM-Diesel: Die legendären NOHAB-Lokomotiven sorgen für ihn und es gleicht einem Wunder, dass dies so ist.

Veteranen der Schiene
In den 1950er-Jahren fertigte unter anderem die schwedische Firma Nydqvist och Holm Aktiebolag, kurz NOHAB, den vom amerikanischen Hersteller Electro Motive Division (EMD) für den europäischen Markt aus der FP 7 entwickelten Lizenztyp AA16.

Abnehmer für die sechsachsigen diesel-elektrischen Maschinen waren die Staatsbahnen in Dänemark, Norwegen und Ungarn. Weitere Lokomotiven baute die belgische Firma AFB für die einheimische SNCB und vier Maschinen für die Luxemburgische CFL.

Wie kamen diese Loks nach Deutschland? Zum Ende der 1980er-Jahre wurden die in Dänemark als My bezeichneten „Rundnasen“ langsam entbehrlich und standen zum Verkauf.

1998 übernahm die Firma EuroTrac, eine Tochter der in Kiel ansässigen Firma Vossloh, die Lokomotiven My 1125, 1127, 1131, 1138, 1142, 1143, 1147, 1149, 1151 und 1155 von den Dänischen Staatsbahnen. Nach einer Aufarbeitung (inklusive Einbau des in Deutschland üblichen und für den Einsatz notwendigen Zugsicherungssystems und des Zugbahnfunks) gelangten die Maschinen zur Norddeutschen Eisenbahngesellschaft (NEG).


Als Bestandteil der Vossloh-Gruppe vermietet die NEG die nun als V 170 bezeichneten Loks an verschiedene Bahnunternehmen. Für den technischen Service wurde in Haldensleben im ehemaligen Bahnbetriebswerk ein Stützpunkt eingerichtet.

Nach diversen Einsätzen in Norddeutschland vor Splitt-, Schotter- und teilweise Containerzügen erregten die geplanten Einsätze in Süddeutschland Aufsehen. Als Ersatz für neu beschaffte, aber nicht betriebstaugliche Integral-Triebzüge sollten sie für die Bayerische Oberlandbahn zwischen München und Lenggries/Bayrischzell zum Einsatz kommen. Doch es blieb bei ein paar Schulungs- und Sonderfahrten, ansonsten waren die Loks abgestellt.

Wesentlich arbeitsreicher gestaltete sich der Einsatz bei der Karsdorfer Eisenbahngesellschaft (KEG). Mit schweren Mineralölzügen, hauptsächlich ab Großkorbetha, waren sie zu wechselnden Zielen in Mittel- und Süddeutschland, zumeist in Doppeltraktion, unterwegs.

Nach der Insolvenz der KEG zu Beginn des Jahres 2004 wechselten die Maschinen mit zum neuen Eigentümer Eichholz Verkehr Logistik GmbH (Eivel), nachdem diese den Bestand der NOHABs ab 2003 übernommen hatte. Im Verlauf der Einsatzzeit bei Eivel und nach dem erneuten Besitzerwechsel zum STRABAG-Konzern erhielten die Lokomotiven auch neue Lackierungen, teilweise in Anlehnung an ihre amerikanische Herkunft.

Der Retter: Michael Frick
Im Jahr 2010 zogen plötzlich dunkele Wolken über den „Rundnasen“ auf deutschen Schienen auf. Die STRABAG AG stellte Teile des Konzerns neu auf, und die Sparte STRABAG Rail GmbH trennte sich daraufhin bis auf die V 170 1147 von den NOHAB-Maschinen. Sollten die Motoren der Diesel-Saurier nun weitestgehend verstummen?

Nein! Vom bekennenden Liebhaber und Kenner der Loks, Michael Frick, wurde das Unternehmen Altmark Rail gegründet. Auch die Anlagen in Haldensleben wurden übernommen. In den Bestand des jungen Unternehmens gelangten die nun wieder als My 1127, 1143, 1149, 1151 und 1155 bezeichneten Loks. Davon stehen zur Zeit die My 1149, 1151 und 1155 betriebsfähig zur Verfügung.

Bei der Erfurter Bahnservice GmbH im Einsatz ist die My 1131, die Cargo Logistik Rail-Service GmbH hat My 1138 im Bestand. Die Dienste der My 1142 sicherte sich die Braunschweiger Bahn Service GmbH.

Noch ist also Zeit für GM-Soundgenuss beim Besuch am Schienenstrang! Nutzen wir es aus, die Abgasnormen werden schärfer, der Kraftstoffverbrauch spielt bei stetig steigenden Preisen eine immer größere Rolle und die Loks kommen zudem ins wohlverdiente Ruhestandsalter.

Von Torsten Barth

Ein Artikel aus LOK MAGAZIN 09/12.
 
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