HSB-Triebwagen 187 011, 012, 013: Spitzname Fischstäbchen

Drei Triebwagen aus den 1950er-Jahren helfen noch heute im Harz bei der Abwicklung des Personen-Verkehrs. Mehrfach wurden sie zuvor umgesetzt und umgebaut.

Text: Jens Grünebaum

Der T 4 in hellblau/grauer Lackierung im Einsatz auf Juist am 23. September 1969	Foto: Wolfgang Reimann © Wolfgang Reimann

Anfang der 1950er-Jahre entwickelte die Firma Talbot in Aachen einen vierachsigen Triebwagen für normal- und schmalspurige NE-Bahnen. Das Programm für die schmale Spur
umfasste den Typ „Schleswig“ mit einer Motorisierung von ein- oder zweimal 110 PS für Strecken im Flachland. Für Mittelgebirgsstrecken gab es den Typ „Eifel“ mit ein- oder zweimal 145 PS Maschinenleistung.

1955 kam mit dem Typ „Eifel II“ noch die Weiterentwicklung auf den Markt. Dieser Triebwagen war mit zwei 145 PS starken Deutz-Motoren ausgerüstet und hatte eine durchgehende Frontscheibe mit runden Eckfenstern. Dadurch wirkte er wesentlich eleganter als seine Vorgänger. Von jedem Typ lieferte Talbot genau drei Stück aus. Mit den Fabriknummern 97519 und 97520 bekam die Kreis-Altenaer-Eisenbahn im Jahr 1955 die letzten beiden. Die heute den Harzer Schmalspurbahnen gehörenden Triebwagen absolvierten ihre Abnahmefahrt auf der KAE-Strecke von Lüdenscheid nach Brüninghaus und zurück. Hierbei wurde der heutige 187 011-2 am 12. September 1955 als VT 1 für die Kreis-Altenaer-Eisenbahn abgenommen. Kurze Zeit später wurde der auch der VT 2 (heute 187 013-8) nach Lüdenscheid geliefert und per 7. Oktober 1955 nach einer Abnahmefahrt dem Betrieb übergeben.

Nach wenigen Jahren zur Nordsee
Die für die KAE gelieferten Triebwagen hatten aus Sicherheitsgründen nur auf einer Seite Einstiegstüren. Es sollte verhindert werden, dass Fahrgäste auf der Straßenverkehrsseite aussteigen konnten. Dieses verlieh ihnen ein etwas merkwürdiges Aussehen. Zum Einsatz kamen die neuen Fahrzeuge auf der Strecke Lüdenscheid – Altena. Durch ihren freundlichen rot/beigen Anstrich hoben sie sich deutlich vom sonst arg in die Jahre gekommenen Fuhrpark ab.

In der Bahnwerkstatt „Zum Hohle“ der KAE wurden passend zu den Triebwagen für die Wagen 14 und 15 neue, den Triebwagen angepasste Wagenkästen aufgebaut. Außerdem musste noch die Balancierkupplung durch eine Scharfenbergkupplung ersetzt werden und die Bremse auf Druckluftbetrieb umgebaut werden. Die als Beiwagen VB 1 und 2 bezeichneten Fahrzeuge hatten auch nur auf einer Seite Einstiegstüren. Bei den Beiwagen 3 – 5 wurden überwiegend technische Anpassungen durchgeführt. Sie behielten ihre alten Wagenkästen, die jedoch in den neuen Triebwagenfarben lackiert wurden.

In dieser Form wurden die Zuggarnituren dann auch fast bis zur Einstellung des Personenverkehrs bei der Kreis-Altenaer-Eisenbahn am 28. Mai 1961 eingesetzt. Am 26. Mai 1961 verließen die für Langeoog bestimmten Fahrzeuge VT 1, VB 1 und 2 sowie VB 4 und 5 Lüdenscheid per Bahn, schon mit ihrer neuen Lackierung für die Inselbahn Langeoog. Seit dem 8. Juni 1961 standen sie dann bei der ostfriesischen Inselbahn im Einsatz. Die Beiwagen VB 4 und VB 5 wurden später bei der Inselbahn mit neuen, KAE-ähnlichen Aufbauten versehen. Zunächst war der dort ebenfalls als VT 1 laufende Triebwagen der einzige Talbot-Vertreter auf der Insel. Sein neues Einsatzgebiet auf der 3,5 Kilometer langen Strecke vom Ort zum Hafen stellte keine besonderen Ansprüche.

Der KAE-Triebwagen T 2 wurde an die Reederei Norden-Frisia verkauft, von der auch die Juister Inselbahn betrieben wurde. Zusammen mit zwei Kesselwagen wurde er im Dezember 1961 nach Juist gebracht. Nach einigen Anpassungsarbeiten in der Juister Werkstatt gelangte das nun als T 4 beizeichnete Fahrzeug zur Sommersaison 1962 zum Einsatz.

Nach dem Zugang des T 24 der Sylter Inselbahn im Jahr 1971 waren auf Juist insgesamt fünf der neun Talbot-Schmalspurtriebwagen im Einsatz. Mittel für den Küstenschutz zum Bau neuer Wattdeiche auf den Inseln ermöglichten Ende der 1970er-Jahre auch die Errichtung eines neuen Hafens in direkter Ortsnähe. Somit wurde die Inselbahn zum Jahreswechsel 1981/82 entbehrlich.

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