Neue DR-Triebfahrzeugnummern: Zahlen für den Rechner

Zwei Jahre nach der Bundesbahn vergibt die Reichsbahn neue Nummern für ihre Triebfahrzeuge. Sie wählt ein anderes System. Warum? Wolfgang Müller nennt verschiedene Gründe.

© Wolfgang Müller

Bereits in der Frühzeit der Eisenbahnen erkannte man die Notwendigkeit, jedes Eisenbahnfahrzeug zu kennzeichnen. Für Zwecke des Betriebes, der Unterhaltung und der Abrechnung war somit eine eindeutige Zuordnung auf ein Fahrzeug, aber auch eine Gruppe von Fahrzeugen möglich. Diese Kennzeichnung geschah bei Wagen durch Vergabe von laufenden Nummern, oft ergänzt durch Buchstaben. Bei Lokomotiven war anfangs die Bezeichnung mit Namen üblich, was aus dem Schiffsbau entlehnt war. Später gab man den Lokomotiven noch eine laufende Nummer dazu, letztlich entfiel der Name ganz.

Im Lauf der Zeit entwickelte jede Bahnverwaltung ein eigenes Bezeichnungssystem für ihre Lokomotiven. Je größer die Verwaltung war, um so größer war auch die Notwendigkeit der Einteilung der Lokomotiven in Nummerngruppen entsprechend ihrem Verwendungszweck. Die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft hatte für die zahlreich übernommenen Länderbahnlokomotiven wie auch für künftige Neuentwicklungen in den Jahren 1924 bis 1926 ein Bezeichnungssystem eingeführt, das mit Ergänzungen bis 1941 ca. 40 Jahre Bestand haben sollte.

Die Triebfahrzeugnummer bestand aus einer Gattungs- und einer Ordnungsnummer. Erstere fasste bestimmte Fahrzeuge mit betrieblichen oder technischen Gemeinsamkeiten zusammen. Für Dampflokomotiven genügten dafür zwei Ziffern, für die anderen Triebfahrzeuge wurden zusätzlich noch Buchstaben vorangestellt, die die Fahrzeugart erklärten. Die Ordnungsnummern bildeten zwei bis vierstellige Zahlen.

In vielen Fällen wurden Untergattungen durch Ordnungsnummerngruppen gebildet. Mehrteilige Fahrzeuge erhielten eine gemeinsame Ordnungsnummer mit einem nachgestellten Kleinbuchstaben zur ihrer Unterscheidung.

Letztlich gab es auch Fahrzeuge, deren Gattungsbezeichnung nur aus Buchstaben-Kombinationen bestand, z. B. Kleinlokomotiven. Ein festes Format für alle Fahrzeugnummern gab es nicht, so dass fehlerhafte Erfassungen kaum erkannt werden konnten.

Schon 1925 mit Lochkarten
Das System genügte vorerst den Anforderungen des Betriebes und der Unterhaltung der Fahrzeuge. Bei der Leistungsabrechung der Triebfahrzeuge war man jedoch schon 1925, als das Lochkartenverfahren eingeführt wurde, an seine Grenzen gekommen. Hier konnten nur Ziffern erfasst und bearbeitet werden, Buchstaben erlaubte das Sys-
tem nicht. Man behalf sich mit der Ersatzeingabe einer Ziffer für die Triebfahrzeugart, z. B. „6“ für Kleinlok, und behielt die übrigen Zahlen bei. Diese Ziffer war in der „Vorschrift für die Erfassung der Betriebsleistungen (VBL)“ festgelegt und wurde nur intern verwendet.   

Seiten

Tags: 
Weitere Themen aus dieser Rubrik

ET 184 41, 42/ ET 185 01: Elektrische Pioniere

Am 4. Dezember 1895 eröffnete die Localbahn AG in Württemberg zwischen Meckenbeuren und Tettnang die erste elektrische Vollbahn in Europa.

Für den...

weiter

Baureihe 140 im Emsland: Die Funken schlagen

Im Emsland tummelten sich früher die Dampflokfans. Doch Geschichte wiederholt sich: Das Emsland zieht heute Ellok-Nostalgiker an. Warum das so ist, lesen Sie hier!

Lokführer im Ruhrgebiet in den 1970ern: Oft um den Kirchturm herum

In den frühen 1970er-Jahren arbeitet Peter Schricker als Lokheizer im Bahnbetriebswerk Duisburg-Wedau. Seine Dampflok-Einsätze sind die typischen jener Jahre:... weiter