Rot und rund - Porträt: Baureihe VT 2.09.

Nebenbahnretter im Osten Die Reichsbahn beschaffte – wie auch die Bundesbahn – zweiachsige Triebwagen für ihr Nebenbahnnetz.
Mehrere solcher schönen Viadukte gab es an der Strecke Altenburg – Langenleuba-Oberhain. Am 31. August 1979 brummt dieses LVT-Gespann über die Brücke bei WiesebachFoto: Ralph Lüderitz © Ralph Lüderitz
Die Personenbeförderung auf Nebenbahnen erlebte Anfang der 1950er-Jahre einen einschneidenden Wandel. Die Reichsbahn der Vorkriegszeit hatte nur wenig für die Entwicklung des Triebfahrzeugparkes auf Nebenbahnen geleistet, so dass man sich mit überalterten Länderbahnloks behelfen musste. Angestrebt wurde die Abkehr vom personalaufwändigen und unwirtschaftlichen Dampfbetrieb. Etwas zeitversetzt stand dieses Problem vor beiden deutschen Bahnverwaltungen, die als gewaltsam getrennte Einheit anfangs noch eine recht parallel verlaufende Entwicklung aufwiesen. Mit den wenigen verbliebenen, noch relativ neuen zweiachsigen Einheitstriebwagen (siehe Statistik ab Seite 56) war weder im Westen noch im Osten der Wandel zu meistern.

So ist es nur verständlich, wenn bei beiden deutschen Bahnverwaltungen gleiche oder ähnliche Fahrzeuge entstanden, entsprangen sie doch gleichen Bedürfnissen. Beide Bahnverwaltungen entwickelten, je besonders, eine Dampflokbaureihe 23 und je besonders einen sogenannten Schienenbus für die Nebenbahnen. Die Idee dazu stammt vom Anfang der 1930er-Jahre, als Henschel und die Waggonfabrik Bautzen die zweiachsigen Schienenbusse VT 133 006 bis 008 und die Waggonfabrik Wismar die VT 133 009 bis 012 (1933/1934) als zweiachsige Zweirichtungsfahrzeuge entwickelten; letztere waren auch bekannt unter dem Spitznamen „Schweineschnäuzchen“.

Baumuster der Deutschen Reichsbahn
Ein erstes Baumuster entstand 1957 im VEB Waggonbau Bautzen in Stahlleichtbauweise mit einem unterflur angeordneten Dieselmotor. Dieser stammte von der Firma Büssing und war auch in die Schienenbusse der DB eingebaut. Er entwickelte eine Leistung von 111 kW. Nach Werkserprobungen im Jahr 1958 erfolgte ab März 1959 die Betriebserprobung bei der Deutschen Reichsbahn. Das vom VEB Waggonbau Bautzen entwickelte Baumuster 2 stand im März 1959 auf der Leipziger Frühjahrsmesse. Antriebsquelle war ein unterflur eingebauter Sechszylinder-Dieselmotor vom VEB Motorenwerk Johannisthal. Der Wagenkasten war eine Stahl-Leichtmetall-Gemischtbauweise. Dem Baumuster VT 2.09.002 folgte im Jahr 1962 die Nullserie mit den Betriebsnummern VT 2.09.003 bis 007. VT steht dabei für Verbrennungs-Triebwagen, die 2 gibt, multipliziert mit 100, ungefähr die Motorleistung in PS an und die 09, multipliziert mit 10, steht für die Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Die letzten drei Ziffern sind die Ordnungsnummer.

Die Serie mit den Nummern VT 2.09.008 bis 070 in geschweißter Stahlleichtbauweise ist in den Jahren 1963 und 1964 ausgeliefert worden. Für diese Triebwagen entstanden auch Beiwagen, so dass Züge aus einem VT und einem oder zwei VB gebildet werden konnten, auch die Kupplung zweier Einheiten (VT und VB) war möglich. Weil die Beiwagen lediglich Anhänger (ohne Steuereinrichtung) waren, mussten sie am Zielbahnhof für die Rückleistung umfahren werden. Die Beiwagen waren als VB 2.07.501 bis VB 2.07.570 bezeichnet.

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