SBB-Rangierlok Ee 3/3: Einfach unverwüstlich

Warum eine Sache ändern, wenn sie gut ist? Die Schweizer Rangierloktype mit dem Schrägstangenantrieb war so bahnfest, dass sie von 1923 bis 1962 gebaut wurde! Ein Rückblick. Von Jörn Schramm
Heute die Älteste: In Rapperswil setzt die 16362 einige Wagen ab 	© Jörn Schramm

Unter der für deutsche Eisenbahnfreunde etwas eigenartigen Bezeichnung Ee 3/3 verbirgt sich eine denkwürdige Lokomotivbaureihe der Schweizerischen Bundesbahnen. Noch heute sind einige der Loks im Einsatz, die das Methusalem-Alter von 70 Jahren überschritten haben. Aber nun werden sie langsam weniger. Lösen wir zunächst einmal die Typenbezeichnung auf. Nach Schweizer Lesart bedeutet die Buchstaben- und Zahlenfolge:
– E = Rangierlok
– e = elektrisch
– 3/3 = drei von drei Achsen sind angetrieben.
Es handelt sich also um eine dreiachsige Rangierlok mit elektrischem Antrieb, bei der alle Achsen angetrieben sind. Warum jedoch elektrisch rangieren?
Der Erste Weltkrieg brachte den Schweizer Eisenbahnen große Probleme, da sie nur schwer an Lokomotivkohle kamen. Dies war ein erster, starker Anstoß zur Elektrifizierung des Streckennetzes. Speziell im Rangierdienst mit seinen langen Pausen wird durch Dampflokomotiven vergleichsweise viel Kohle nutzlos verbrannt. So wollten die SBB die hier eingesetzten C-Kuppler der Gattung E 3/3 möglichst bald ersetzen.
Daher wurden Anfang der 1920er-Jahre Pläne für eine elektrische Rangierlok entwickelt. Weil die Achslast 15 Tonnen nicht überschreiten durfte, wurde zunächst eine vierachsige Lokomotive geplant. Die ersten beiden Prototypen gingen dann 1923 als Ee 3/4 in Dienst, hatten also neben den drei angetriebenen Radsätzen eine Laufachse. Dem damaligen Stand der Technik entsprechend, erfolgte der Antrieb durch einen Fahrmotor auf eine Vorlegewelle. Von dort aus wurde die Kraft durch einen Schrägstangenantrieb auf die Treibachsen übertragen.

Erste Serie 1928
Die Prototypen bewährten sich, doch war die technische Entwicklung inzwischen weiter gegangen, so dass die erste Serie von 16 Lokomotiven, die 1926 bestellt und 1928 in Betrieb genommen wurde, bereits keine Laufachse mehr aufwies. Ee 3/3 also. Optisch unterscheidet sich diese erste Serie von den Prototypen wie auch von den Folgeserien durch das Endführerhaus, das den Maschinen Spitznamen wie „Halbschuh“ oder „Bügeleisen“ eintrug.
Die zweite Serie von 20 Loks, die 1930/1931 geliefert wurde, besaß dann wieder ein Mittelführerhaus wie die beiden Prototypen. Hierdurch hat der Lokführer eine deutlich bessere Übersicht nach beiden Seiten. Weitere 26 Maschinen folgten in kleinen Baulosen in den Jahren 1932 bis 1942.
Mit der nächsten Serie, die zwischen 1944 und 1947 in Betrieb ging, wurde die Leistung der Maschinen deutlich erhöht; auch erreichten die 34 Loks dieser Gruppe jetzt die Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h (gegenüber 40 km/h). Weitere zehn Maschinen folgten zwischen 1951 und 1956, nochmals zehn in den Jahren 1961 und 1962. Eine letzte Serie von nochmals 20 Loks wurde 1966 in Betrieb genommen. Abgesehen von kleineren Anpassungen und Änderungen ist die Ee 3/3 damit an die 40 Jahre in nahezu unveränderter Grundkonstruktion gebaut worden und dürfte damit weltweit zu den am längsten gebauten Maschinen gehören.
1957/58 nahmen die SBB sechs Loks einer Unterbaureihe Ee 3/3 II in Betrieb. Diese Zweistrommaschinen waren für den Betrieb in Basel gedacht, wo sie zusätzlich auch unter dem französischen Stromsystem fahren mussten. Zehn baugleiche Loks beschaffte ab 1962 auch die französische SNCF, verkaufte diese aber 1972 an die SBB.
1943 erhielt auch die BLS (Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn) eine Lok des Typs Ee 3/3 für den umfangreichen Rangierdienst in Spiez. Beide Sonderbauarten unterscheiden sich in einigen Details von den Standardloks der SBB.

In den großen Personenbahnhöfen …
Hier lag und liegt eine der für den Betrachter augenfälligsten Aufgaben der Ee 3/3: Das Zusammenstellen, Bereitstellen und Wegstellen sowie Schwächen und Stärken von Reisezugkompositionen. In den nahezu endlosen Abstell- und Wartungsanlagen im westlichen Vorfeld des Zürcher Hauptbahnhofs beispielsweise sind regelmäßig bis zu fünf Ee 3/3 für diese Dienste eingeteilt. Aber auch in kleineren Bahnhöfen wie Rapperswil wird beispielsweise der Voralpenexpress immer noch durch eine Ee 3/3 zu den Hauptverkehrszeiten durch zusätzliche Wagen verstärkt, die zu den Schwachlastzeiten dann wieder abgezogen werden.
Die Division Personenverkehr der SBB hat in den Jahren 2009/2010 insgesamt 21 moderne Rangierloks der Baureihe 922 beschafft. Diese Maschinen haben in den meisten großen Personenbahnhöfen wie Zürich, Bern und Basel bereits das Kommando übernommen und die Ee 3/3 im Plandienst weitgehend abgelöst. Dennoch waren auch im Januar 2011 in Zürich noch bis zu drei Ee 3/3 an einem Tag im Einsatz zu beobachten, darunter die dienstälteste noch betriebsfähige Lok, die 16351.
 

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