Schwer, solide, beliebt

Die E 94 wurde zur Beschleunigung des Güterverkehrs in Süddeutschland und Österreich kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges gebaut. Nach 1945 wurde sie in beiden deutschen Staaten und in Österreich zur friedlichen Aufbauhelferin.

Am 23. Mai 1995 wurde die 254 059 in Bornitz (zwischen Leipzig und Riesa) aufgenommen. Mit den alten Laternen – hier sind es sogar vier – und dem grün-roten Lack wirkt die Lok sehr historisch. Foto: Josef Högemann © Josef Högemann
Als Kind der Deutschen Reichsbahn erst kurz vor und in der Hauptsache dann während des Zweiten Weltkriegs gebaut, erlebte die Baureihe E 94 ihre Blütezeit nach den Kriegswirren in den 1950-er Jahren bei der jungen Deutschen Bundesbahn. Sie bildete das feste Rückgrat im schweren Güterzugdienst auf dem in den Westzonen verbliebenen elektrischen Streckennetz. Gleichsam machten sich die schweren Güterzuglokomotiven, ganz der Not gehorchend, auch vor allen Zuggattungen im Personenzugdienst nützlich. Die konjunkturelle Belebung während der Wirtschaftswunderjahre veranlasste die DB sogar zur Nachbeschaffung der E 94. Selbst die Ende der 1950er-Jahre an den Start gehenden Neubau-Elloks der Baureihen E 40 und E 50 ermochten die bewährte E 94 zwar im schweren Güterzugdienst auf Platz zwei zu verdrängen, konnten ihr aber dennoch das Feld nicht wirklich streitig machen.
Gleichzeitig dehnte sich das Streckennetz unter Fahrleitung unaufhörlich aus, womit durch den höheren Ellokbedarf der Einsatzradius der E 94 stetig zunahm. In Bayern und Baden-Württemberg gab es kaum eine elektrifizierte Strecke, die im Lauf der Zeit nicht auch von der E 94 befahren wurde. Sie gelangten in den Großraum Frankfurt am Main, im Westen bis nach aarbrücken, die nördlichen Anlaufpunkte waren die Bahnhöfe Hagen-Vorhalle, Bebra, Kassel und Göttingen.
  Größte Verbreitung 1958
Im Jahr 1958 wurde der Höchststand mit zwölf Dienststellen, die die E 94 beheimateten, erreicht. Ab 1965 gelangten die E 94 der DB im grenzüberschreitenden Güterverkehr auch wieder nach
Österreich (Linz/Donau, Villach).
In der Folgezeit kam die Zusammenlegung des Bestands auf wenige Dienststellen. Von marginaler Bedeutung war die 1968 erfolgte EDV-gerechte Umbenennung in die Baureihe 194. Selbst als die in den Jahren 1972 bis 1976 beschafften Boliden der Baureihe 151 auf den Plan traten, konnten sich die altgedienten Maschinen weiterhin behaupten. Erst mit dem nach längerer Zeit im Jahr 1983 wieder in Bewegung geratenen Bestand, der Konzentration auf wenige Dienststellen, sollte sich das allmähliche Ende der Baureihe 194 abzeichnen.
Durch die Konzentration der verbliebenen 194er bis Mitte 1986 auf nur zwei Dienstellen – die Bw’e Ingolstadt und Nürnberg mit 51 bzw. 50 Exemplaren – wurde wegen der hohen Bestände deren beschleunigtes Ausscheiden begünstigt. Mit dem Ablauf des Winterfahrplans 1987/88 war in Nürnberg das Aus gekommen. Nicht anders beim Bw Ingolstadt, wo am 29. Mai 1988 die definitiv letzten Leistungen von der Baureihe 194 bei der Deutschen Bundesbahn erbracht wurden.
Doch das Ende ihrer Einsätze war das nicht, denn noch heute setzen einige wenige private Eisenbahnverkehrsunternehmen auf die solide Konstruktion dieser Baureihe im regulären Alltagsdienst.

Die E 94 in der DDR
Im Mai 1945 befanden sich 17 Lokomotiven der Baureihe E 94 auf dem Gebiet der späteren DDR. Vier davon waren schwer beschädigt, alle anderen mussten an die Sowjetunion als Reparationsleis - tung abgegeben werden. Dort standen sie meist nur nutzlos herum, oft im Freien, wie all die anderen elektrischen Fahrzeuge und Ausrüstungen. 1952 wurde vertraglich geregelt, dass die DDR alles zurückbekommen kann – gegen die Lieferung von über 300 neuen Reisezugwagen. So erwarb die DDR auch wieder 22 Loks der Baureihe E 94, dabei auch jene, die 1945 direkt von Schlesien in die UdSSR abgefahren worden waren.
  Ihre Herrichtung kam in vielen Fällen einem Neuaufbau gleich. Wegen des damit verbundenen Aufwands kamen nur noch die modernsten Lokomotiven für eine Wiederinbetriebnahme in Frage, in erster Linie eben die E 44 und E 94.
Durch das Raw Dessau aufgearbeitet und in Betrieb genommen wurden bis 1961 insgesamt 23 Lokomotiven der Baureihe E 94. Sie fuhren mit grün lackiertem Aufbau und ab 1 961 auch nach Ausbesserungen mit roten Fahrwerken, was ausgesprochen gut aussah. Die DR stationierte ihre E 94 im mitteldeutschen Raum.
1963 erfolgte die erste größere Umstationierung, als im Zusammenhang mit der Aufnahme des elektrischen Betriebs zwischen Leipzig und Zwickau das Bw Zwickau acht E 94 zugeteilt bekam. Schritt um Schritt wanderten die »Eisenschweine«, wie sie auch genannt wurden, dem sich ausweitenden Fahrdraht nach. Dabei leisteten sie Großartiges im schweren Güterzugdienst.

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