Streckenchronik 2008

Die DB AG setzt auf die Elektrifizierung weiterer Relationen und holt sich erstmals Strecken von Privaten zurück.

Von Helmut Roggenkamp

Moderne Technik auf dem Vormarsch: Auf der Odenwaldbahn verschwanden 2008 die letzten Formsignale und mechanischen Stellwerke zugunsten von Lichtsignalen und elektronischer Steuerung. Die Privatbahn VIAS fährt hier seit 2005 mit Itinos (VT 118 am 5.... © Helmut Roggenkamp

Im vergangenen Jahr stand die Deutsche Bahn fast ständig in den Schlagzeilen: Zwei schwere, glücklicherweise glimpflich ausgegangene ICE-Unfälle hatten die Außerbetriebsetzung sehr vieler ICE-3- und ICE-T-Züge und entsprechende Zugausfälle zur Folge. Bis mindestens Mitte 2009 müssen die Fahrgäste kürzere ICE-Einheiten oder Ersatzverkehre in Kauf nehmen. Dazu kamen der Ausstieg aus dem Transrapid-Projekt, der auf Eis gelegte Börsengang und die Diskussion um die Manager-Bezüge.

Im Streckennetz war hingegen Kontinuität angesagt: Zwar wurde viel saniert und gebaut – jetzt auch verstärkt an der Neubaustrecke (NBS) Erfurt – Nürnberg –, einzige Inbetriebnahmen im DB-Bereich waren jedoch die Flughafenanbindung in Hamburg und die Verlängerung der Usedomer Bäderbahn nach Swinoujscie (Swinemünde).

Verbesserungen in den S-Bahn-Netzen
Die zweigleisige, weitgehend unterirdische Flughafen-S-Bahn Hamburg zweigt nördlich des Bahnhofs Ohlsdorf von der Linie S1 ab, deren Züge seit Fahrplanwechsel Mitte Dezember in Ohlsdorf in die Richtungen Flughafen und Poppenbüttel „geflügelt“ werden. Montags bis freitags verkehren die Züge im Zehnminutentakt. Die Stromschienen (1.200 Volt Gleichstrom) wurden am 5. November unter Spannung gesetzt.
 Ebenfalls zum Fahrplanwechsel wurde im Großraum Hannover auf bestehenden Gleisen der S-Bahn-Betrieb nach Hildesheim (S3 über Lehrte und S4 über Sarstedt) aufgenommen. Die bisherige S3 nach Celle verkehrt nun mit der Liniennummer S7, die alte S6 als S8 (Messe-Sonderlinie Flughafen – Hannover Messe/Laatzen). Die neue S6 verkehrt nun zwischen Hannover und Celle über die Lehrter Kurve.

Im Großraum Stuttgart ist neben der S1 nach Kirchheim (Teck) und der S60 Renningen – Böblingen eine Verlängerung der S4 von Marbach nach Backnang (zur Zeit noch RB) bis 2011 vorgesehen. Momentan läuft der zweigleisige Ausbau Freiberg – Benningen (4 km). Nach der Elektrifizierung wird Ende 2009 der S-Bahn-Vorlaufbetrieb der S-Bahn Rhein-Neckar nach Sinsheim/Eppingen und nach Aglasterhausen aufgenommen.
 Die Münchner S-Bahn verkehrt seit Fahrplanwechsel wieder nach „vollem Programm“. Zuvor  hatten EBA-Auflagen bei den Triebzügen der Reihe 423 (Geschwindigkeitsbegrenzungen und Anweisung zur manuellen Abfertigung) zur Folge, dass der Zehn-Minuten-Takt nur eingeschränkt gefahren werden konnte und es in der Hauptverkehrszeit zu Kursbrechungen kam.  

Am 20. September 2008 ging die bereits ein halbes Jahr zuvor fertiggestellte Verlängerung der Usedomer Bäderbahn in Betrieb. Die erste Sonderzugfahrt für Politiker fand am 22. Februar 2008 statt. Die Inbetriebnahme der auf polnischem Staatsgebiet verlaufenden Strecke hatte sich durch Genehmigungsprobleme verzögert. Das neu gebaute Gleis von Ahlbeck Grenze zum westlichen Stadtzentrum von Swinemünde folgt der früheren Trasse. Die Investitionskosten von ca. 3,1 Mio. Euro trugen zu 90 Prozent die Europäische Union und zu zehn Prozent die UBB.
Mit Neigetechnik wird jetzt auf den sanierten Strecken Halberstadt – Wernigerode – Vienenburg, Gößnitz – Ronneburg und Erfurt – Würzburg gefahren. Auf der Niddertalbahn Bad Vilbel – Glauburg-Stockheim, wo zuvor nur unter der Woche Züge rollten, nahm die DB im Juni 2008 den Wochenendverkehr auf.

Grenzüberschreitende Verkehre
Die Ostbahn wird durch das neue Nachtzugpaar „Stanislaw Moniuszko“ Berlin – Warschau aufgewertet. Der Zug mit Kurswagen nach Gdynia, Krakow, Kaliningrad und Halten u. a. in Kostrzyn, Gorzow, Krzyz, Pila und Bydgoszcz stellt hier den Neubeginn des grenzüberschreitenden Fernverkehrs dar. In Belgien soll im Juni 2009 die Neubaustrecke Aachen – Lüttich in Betrieb gehen, was die Reisezeit Köln – Brüssel um ca. 30 Minuten verkürzen wird. Neu seit Dezember sind täglich je ein Direktzugpaar Linz (Donau) – München der ÖBB und Mühldorf – Linz der Südostbayernbahn, jeweils über Simbach – Ried im Innkreis.
Arriva Danmark bedient seit 12. Juli 2008 an Wochenenden in der Sommersaison die internationale Linie Esbjerg – Tondern – Niebüll im Triebwagendurchlauf. Unter der Woche fährt zwischen Tondern und Niebüll unverändert die Nord-Ostsee-Bahn. Das Angebot zwischen Cranzahl und dem böhmischen Vejprty (Weipert) wurde hingegen auf nur noch zwei bzw. am Wochenende vier Zugpaare ausgedünnt. 
 

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