Übergangslösung

Die Vorzeige-Fernzüge der Bundesbahn brauchten 1962 neue Lokomotiven. Die eleganten E 10 mit „Bügelfalten“ waren aber noch nicht fertig. Doch man wusste sich zu helfen … Von Frank Halter

Einfach schmuck: die Museumslok E 10 1239 in Koblenz-Lützel 2010 © Dr. Frank Halter

Viele fotografierende Eisenbahnfreunde, die schon einige Jahre oder gar Jahrzehnte ihrer Beschäftigung nachgehen, werden vielleicht folgendes Phänomen kennen: Man stöbert in der – meist sehr umfangreichen – Bildersammlung und entdeckt Aufnahmen, die man im Lauf der Zeit schlicht und einfach vergessen hat. Vielleicht wurden sie zum Aufnahmezeitpunkt „mal eben so mitgenommen“ und nun, bedingt durch den ewigen Wandel im Eisenbahngeschehen, stellen sie auf einmal eine kleine oder auch große Besonderheit dar.
Mir ging es so, als mir einige Aufnahmen vom August 1983 aus dem Heidelberger Hauptbahnhof in die Hände fielen, auf der die Loks 110 239 und 110 252 zu sehen waren. Zwei 110er, na gut, noch dazu im damals ungeliebten ozeanblau-beige, aber sagten mir die Nummern nicht irgend etwas? Stimmt, beide Maschinen begannen ihre Laufbahn sehr ungewöhnlich, denn anstatt nach ihrer Indienststellung im normalen Schnellzugalltag Verwendung zu finden, mussten sie als Ersatz für die noch nicht fertig gestellten „Rheingold“- und „Rheinpfeil“-Elloks der Baureihe E 1012 und E 1013 dienen. Zweimal, in den Jahren 1962 und 1963, konnte man das gleiche Spiel beobachten, als die Industrie die extra mit dem neuen, windschnittigen „Bügelfalten“-Lokkasten vorgesehenen Maschinen nicht rechtzeitig zur Bespannung der neu aufgewerteten Paradezüge zur Verfügung stellen konnte und man sich mit einem Provisorium behelfen musste.
Über den auch durch seine elegante Farbgebung in kobaltblau-beige und den Domecar auffallenden F 9/10 „Rheingold“ und seine besonderen Lokomotiven wurden zwischenzeitlich mehrere Bücher und Abhandlungen verfasst. Dem „neuen Rheingold“ des Jahres 1962 folgte aufgrund des großen Erfolges zwölf Monate später die Anpassung des in der Relation Dortmund – München verkehrenden „Rheinpfeil“ mit einer vergleichbaren Wagengarnitur.

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