50 Jahre »neuer Rheingold«

Am Pfingstsonntag, dem 27. Mai 2012, auf den Tag genau 50 Jahre nach seiner Jungfernfahrt, feiert der Nachkriegs-Neubau-„Rheingold“ mit einer Reise nach Basel und zurück sein Goldjubiläum.

Er setzte ab 1962 völlig neue Maßstäbe in Sachen Komfort und Reisetempo: der FD „Rheingold“, hier im Sommer 1963 mit der E 10 1270 bei Oberwesel. Foto: Slg. Elisabeth Palm-Baumann © Slg. Elisabeth Palm-Baumann
Für die Fahrt zum 50-jährigen Jubiläum haben sich der „Rheingold“-Traditionsträger Freundeskreis Eisenbahn Köln e. V. (FEK) und seine Betriebsgesellschaft mit der befreundeten Centralbahn Basel (CBB) und dem ebenso engagierten Lokomotivclub 103 e. V. aus Wuppertal, dem Betreuer der historischen Original-Ellok von 1962, zusammengefunden.

Die kobaltblau/beigefarbene Fernschnellzug-Komposition wird ausschließlich aus erhalten gebliebenen, restaurierten und bestens gepflegten Fahrzeugen der 1960er-Jahre bestehen. Vorgesehen sind dabei mindestens sechs Wagen der damaligen Deutschen Bundesbahn, geführt von der „Kasten“-Lokomotive E 10 1239. Die Garnitur repräsentiert den Aufbruch in eine neue Zeit nach den heute unvorstellbaren Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und der Wiederaufbauphase der jungen Bundesrepublik Deutschland.

Anknüpfend an die Erfahrungen mit dem luxuriös ausgestatteten Zug der Jahre 1928/29 hatte die DB Anfang der 1960er-Jahre einen neuen „Rheingold“ geschaffen, der aus der Zahl der Fernschnellzüge herausgehoben, bereits eine gewisse Tradition verkörperte. An Modernität, Komfort und Innenausstattung wollte man mit ihm alle bis dahin bekannten Fahrzeuge der Bundesbahn übertreffen.

Damit wurde der „Rheingold“ wieder zum absoluten Spitzenreiter. Es kamen insgesamt vier Wagentypen zur Ausführung: zwei Sitzwagen-Varianten, das heißt Av 4 üm-62 mit neun Abteilen am Seitengang und eine bislang im deutschen Schienen-Fernverkehr (selten) gebräuchliche Großraumversion Ap 4 üm-62 mit Dreh-Neigesesseln.

Dazu kamen zunächst zwei Exemplare eines ersten Nachkriegs-Neubau-Speisewagens WR 4 üm-62 der DSG mit 48 Sitzen und doppelstöckig ausgeführtem Wirtschaftsteil sowie ein bislang nur in Amerika und als Panorama-Dieseltriebwagen in Italien und Frankreich verwendeter Typ, ein so genannter Dome Car, mit 22 Plätzen in einer erhöht angeordneten, rundum verglasten Kuppel.

Auch eine Bar, zwei sechssitzige Seitengang-Abteile, ein Gepäckraum, das Zugsekretariat, eine Telefonkabine und nicht zuletzt der Maschinen- und Geräteraum für die damals als Novum empfundene Klimaanlage waren in ihm untergebracht.

Anstelle einer zunächst vorgesehenen „Rheingold“-Ellok entschieden sich die DB-Verantwortlichen aus Kostengründen dann doch für eine mit zahlreichen Verbesserungen ausgestattete Variante der bereits bewährten E 101. Durch Änderung des Getriebe-Übersetzungsverhältnisses von 1:2,11 auf 1:1,915 erreichte man die geforderte Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h, einen Spitzenwert in der damaligen Zeit.

Anstelle der etwas klobig wirkenden Kastenform dieser zunächst für wenige Monate eingesetzten E 10 1239 – 1244 erhielten die ab 1963 zum Einsatz kommenden (ebenso wie die nachfolgenden Regel-E 10 ab der E 10 288) einen aerodynamischen Aufbau mit Windschneide („Bügelfalte“), schürzenartiger Verkleidung an den Stirnseiten und beidseitig durchgehenden Lüfterbändern. Zudem kamen gegenüber der bislang gebräuchlichen Bauform Spezial-Drehgestelle zum Einbau, wie sie bereits unter den sechs „Kasten“-„Rheingold“-Voraustypen erprobt worden waren.

Wagen von damals wieder vereint
Hinter der vorbildlich restaurierten und in Wuppertal gepflegten E 10 1239 sind für den Jubiläums-Sonderzug fünf Wagentypen vorgesehen, darunter als bedeutendste die in der damaligen Standardlänge von 26,40 Metern, auf Drehgestellen der Bauart Minden-Deutz mit 2,50 Meter Achsstand laufenden Sonderformen Dome Car und „Buckel“-Speisewagen.

Im Zugverband befindet sich der im Juni 2005 aus Schweden zurückgeholte, einzige in der Original-Außenlackierung kobaltblau/beigefarben wieder hergerichtete „Rheingold“-Panoramawagen (ex Deutsche Bundesbahn AD 4 üm-62 Nr. 10 552, zuletzt TKAB 202 AFS 1). 1962 bei der Bundesbahn in Dienst gestellt, wurde dieser Fahrzeugtyp bereits in den 1970er-Jahren als Splittergattung aus dem Verkehr genommen, gelangte 1976 in den Betriebsmittel-Bestand der internationalen „Apfelpfeil“-Reiseorganisation Freudenstadt und fünf Jahre später, nach deren Konkurs, über eine Versteigerung an das schweizerische Reisebüro Mittelthurgau AG.

Um die begehrten Aussichtswagen europaweit auf allen normalspurigen Bahnen verkehren lassen zu können, ließ man die maximale Höhe über Schienen-Oberkante um 30 Zentimeter auf 4,485 Meter reduzieren und organisierte über einen Zeitraum von 18 Jahren so genannte „Trans Europ Panorama“-Züge aus der Schweiz u. a. bis Österreich, Frankreich, Deutschland und Skandinavien, an freien Tagen auch Vereins- und Betriebsausflüge jeglicher Art.

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