Güterzug mit Personenbeförderung

Menschen und Güter

Früher war es praktisch und billig, Personen und Wagenladungen gemeinsam in einem Zug zu transportieren. Heute ist dies unüblich, denn sowohl Menschen als auch Güter haben es viel zu eilig, als dass sie aufeinander warten könnten. Trotzdem gibt es noch einige wenige Beispiele für Mischzüge.

Anfang der 1950er-Jahre: Die Lok 44 der Kleinbahn Voldagsen – Duingen – Delligsen wartet in Duingen vor einem gemischten Zug, während die Elna-Lok 25 einen reinen Güterzug bespanntFoto: Carl Bellingrodt/Slg. Willy Reinshagen © Carl Bellingrodt/Slg. Willy Reinshagen

In vielen Eisenbahnpublikationen sind beide Abkürzungen zu finden, fast immer entgegen den Vorschriften der deutschen Staatsbahnen als PmG und GmP falsch geschrieben. Vielfach besteht zudem Unklarheit über die Unterschiede zwischen einem Personenzug mit Güterbeförderung (Pmg) und einem Güterzug mit Personenbeförderung (Gmp).

Der Begriff „Gemischter Zug“ stammt aus der Anfangszeit der Eisenbahn. Schon in den öffentlichen Fahrplänen der ersten deutschen Fernbahnen, beispiels- weise der Leipzig-Dresdner oder Köln-Mindener Eisenbahn, wird das „reisende Publicum“ darauf hingewiesen, dass bestimmte, dem Personenverkehr dienende Züge auch Wagen für den Frachttransport mitführen. Dadurch gelang es einzelnen Eisenbahngesellschaften, das anfänglich noch geringere Verkehrsaufkommen rationell zu bewältigen. Der ständig steigende Verkehr zwang schließlich ab Anfang der 1850er-Jahre allmählich dazu, den Reise- und Güterverkehr zu trennen.

Mit dem Bau zahlreicher Vizinal-, Lokal- und Sekundärbahnen ab 1875 wurde der gemischte Zugbetrieb wieder auf jenen Strecken eingeführt, wo sich ein getrennter Personen- und Güterverkehr angesichts des mäßigen Verkehrsaufkommens nicht lohnte, egal ob die betreffenden Verbindungen den seit den 1880er-Jahren agierenden Länderbahnen oder den inzwischen zahlreichen Privatbahngesellschaften gehörten, die überwiegend Strecken lokaler Bedeutung betrieben. Dabei nahmen es die Bahnverwaltungen in Kauf, dass die gemischten Züge wesentlich länger unterwegs waren, als die klassischen Personenzüge, mussten doch von der Lokomotive auf den Unterwegsstationen immer wieder Güterwagen bereitgestellt bzw. abgeholt werden. Auf den ab 1892 vorzugsweise in Preußen gebauten normal- und schmalspurigen Kleinbahnen war der gemischte Zugverkehr häufig die Regel.

Die Zuggattungen Gmp und Pmg führte erst die Deutsche Reichsbahn bald nach deren Gründung ein, während fast alle Privat- und Kleinbahnen weiterhin den Begriff „Gemischter Zug“ beibehielten.

Versierte Kursbuchleser können schnell herausfinden, ob in den Fahrplantabellen Gmp-Züge enthalten sind, da bei der Deutschen Reichsbahn einzelne Nummernreihen bestimmten Zuggattungen zugeordnet waren, wobei jede Direktion die konkreten Gmp-Nummern selbst festlegte.

 

Reichsbahn Ost
Bis zum Ende des Jahresfahrplans 1968/69, am 31. Mai 1969, waren bei der Deutschen Reichsbahn in der DDR bis auf eine Ausnahme für Gmp vierstellige Zugnummern zwischen 8000 und 9999 üblich. Allerdings wurden in dieser Zahlenreihe auch sämtliche Nahgüterzüge erfasst, die freilich nicht in öffentlichen Kursbüchern erschienen. Die letzten beiden Ziffern der vierstelligen Zahlen waren bestimmten Einzugsbereichen zugeordnet, so dass Betriebseisenbahner ohne geographische Kenntnisse schnell feststellen konnten, in welchen Streckennetzbereichen diese Züge fuhren.

Eine aus den 1920er-Jahren stammende Besonderheit gab es im Bezirk der Direktion Dresden bei den Schmalspurbahnen. Hier wurden die Gmp (und Nahgüterzüge) ausschließlich mit fünfstelligen Zugnummern gekennzeichnet, und zwar mit den Anfangsziffern 11.xxx. Die dann folgenden Ziffern waren einzelnen Netzen zugeordnet.

Dagegen sind die Pmg nicht in den Kursbüchern auszumachen, da sie zur Gruppe der Personenzüge gehörten und in den jeweiligen Rbd-Bezirken fortlaufend nummeriert wurden. Ob Pmg-Züge verkehrten, war nur aus den innerdienstlichen Unterlagen zu erkennen, etwa den Zugbildungs-, Buch- oder den Bildfahrplänen.

Aufgrund des internationalen Trends und der Einführung der elektronischen Datenverarbeitung sah sich die Deutsche Reichsbahn veranlasst, zunächst dass Nummernsystem der Nahgüter- und Güterzüge mit Personenbeförderung auf allen Strecken zu vereinheitlichen. Damit konnten zugleich Doppelnummerierungen ausgeschlossen werden. Mit Beginn des Jahresfahrplans 1969/70, am 1. Juni 1969, erhielten sämtliche Gmp-Züge fünfstellige Zugnummern, und zwar zwischen 68000 und 69999, wobei jedem Direktionsbezirk bestimmten Hunderterstellen zugeordnet wurden. Eine Ausnahme blieben noch bis zum Winterfahrplanbeginn am 28. September 1969 die Zugnummern ab 11.000 bei den schmalspurigen Gmp-Zügen der Rbd Dresden, bis sie auch dort Nummern ab 68000 bekamen.
 

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